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  1. 35 Aphorismen über Kunst

  2. Der Elfenbeinturm ist ein Schritt vom Luftschloss entfernt.
  3. Künstler leben länger – nach dem Tod.
  4. Die Lohnerhöhung der Künstler wurde als übertriebene Forderung zurück gewiesen, der Entscheid auf unbestimmte Zeit vertagt.
  5. Der Künstler Maximus Giganteus fürchtete sich vor einer Maus.
  6. Tagesbefehl: Die Avangarde umreitet das Fussvolk und stürzt sich an der Erfolgsfront auf die Galeristen.
  7. Ein Bild zu einer kürzlichen Diskussion über Kunst: Zwei Micky Mäuse diskutieren im Supermarkt über die Authentizität von Comicfiguren.
  8. Die geistige Potenz des Künstlers veranlasste die Schliessung des Leuchtturms.
  9. Tausend Worte malen ein Bild, falls das Bild nicht sprechen will.
  10. Erhaben stand die Statue auf ihrem Sockel, im Augenblick der Sprengung.
  11. Als der Künstler vor den geladenen Gästen das Wort ergreifen wollte, war die Sprechblase schon gefüllt.
  12. Der Künstler liess sich analysieren und verstand plötzlich sein Problem, nur die Kunst nicht mehr.
  13. Bei einer Vernissage wurde der Künstler von einem Galeristen angesprochen: "Ihr Schwachsinn, ihr schlechter Geschmack interessiert mich."
  14. Der Künstler erkannte eines schönen Nachmittags, dass das Nichts der Kunst am nahesten kam. Aber wie und mit welcher Farbe sollte man das Nichts darstellen? Der Nachmittag war um, der Künstler erhob sich vom Sofa und war mit sich zufrieden, da er dem Nichts wieder einen Schritt näher gekommen war.
  15. Der Finanzmathematiker versuchte die Gleichung der Kunst zu lösen. Nachdem er endlich das negative Vorzeichen beseitigt hatte, fand er den gemeinsam kleinste Nenner, aber dann kamen die Börsenberichte im Fernsehen.
  16. Nach dem Besuch im Museum für zeitgenössische Kunst überkam ihn diesen unerklärliche Heisshunger. So suchte er ein Restaurant auf, bestellte sich reichlich und auserlesen, ass sich satt und studierte dabei genüsslich die Tapete an der gegenüberliegenden Wand.
  17. Als er den Kopf verlor, suchte er ihn überall, fand ihn aber nirgends. Als er darauf beim Apotheker ein Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen besorgen wollte, stiess er gegen das grösste Regal und dabei viel ihm vom obersten Tablar sein Kopf auf den Hals.
  18. Die Podiumsdiskussion über zeitgenössische Kunst dauerte nun schon fast den ganzen Tag. Am späten abend wurde beschlossen, den Diskurs am nächsten Tag weiterzuführen. Das ging nun Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr so. Irgendwann bemerkten die Redner, dass das Publikum fern blieb, diskutierten aber trotzdem weiter. Als dann einzelne Teilnehmer immer öfter den Faden verloren und die Begriffe vertauschten, da sie an altersbedingter Senilität litten, konnten sie sich immer noch nicht entschliessen, die Diskussion zu beenden. Ein Ende fand dann die Podiumsdiskussion, als nach dem Ableben der Redner, der Diskussionsleiter mit Monologisieren fortfuhr.
  19. Als die Touristin den Mississippi rauffuhr, fiel ihr ein, dass sie den Sextant vergessen hatte. Der Fremdenführer half ihr mit einem Schaumgebäck über ihren Verlust hinweg.
  20. Seit einiger Zeit gab es ein grosses Loch im Garten des Künstlers, und er konnte sich nicht erinnern, wann er es das erste mal bemerkt hatte. Wie angestrengt er auch nachdachte, es fiel ihm weder der Zweck ein, noch wieso es gegraben wurde. Als er eines Tages wieder über die Bedeutung des Loches in seinem Garten nachdachte, fand er seine Frau tot im Garten liegen und in diesem Moment fiel ihm wieder ein, wieso er das Loch gegraben hatte.
  21. Da es ihm nicht darauf ankam, in welchen Farben er malte, kaufte er sich eine Sonnenbrille und malte mit ihr in der Nacht. Morgens wurde er jeweils von seinem Galeristen besucht, der dann nicht müde wurde, die Farbharmonie in seinen Bildern zu loben.
  22. Als sie den Käfer sah, dachte sie noch, was für ein ekelhaftes Ding, aber dann war der Käfer schon tot.
  23. Wer rudert, bekommt Schwielen an den Händen.
  24. Der Pottwal war nicht durstig, aber ertrank trotzdem.
  25. Als er sich auf den Ast setzte, fiel ihm ein, dass dieser von ihm schon abesägt worden war.
  26. Kunst wird mit Theorie gefüllt, insofern sie unvoll, unvollständig ist. D.h. das Vakuum als Leerraum – Inbegriff des Unvollen – lässt der Dichtung den grössten Spielraum.
  27. Kunsttheorie ist ausserstande, in der Praxis Kunst zu sein. Und aus diesem Mangel wird eine Tugend, die nicht mehr über die Praxis der Kunst reflektiert, sondern Kunstpraxis von sich selbst ableiten will.
  28. Man „künstlert“ nicht, man (er)schafft, produziert oder macht Kunst. Aber Kunst machen ist eine Unmöglichkeit an sich, da Kunst gemacht wird.
  29. In der Kunst sollte mit dem Bauch gedacht und mit dem Kopf verdaut werden. (Kopfmenschen werden nun darob den Appetit verlieren).
  30. Kunst, die keinen Hunger mehr kennt, hat nur noch Appetit, und dieser Appetit zeigt sich u.a. an Vernissagen. Denn je kleiner die Häppchen desto grösser der sogenannte Kunstwert.
  31. In der Kunst dient die Empirie dazu, die Intuition im nachhinein zu legitimieren.
  32. Die Kunstkritik versucht, dem Künstler bewusst zu machen, dass er sich über das Unbewusste bewusst werden soll.
  33. Das autonomste Kunstwerk verrottet auf einer Müllhalde.
  34. Die Ränder der Kunst sind da, wo niemand hinsieht – das Zentrum ist da, wo die meisten hin wollen.
  35. Nur ein guter Künstler ist ein toter Indianer.